Aus Feld und Stall
Aus der Praxis des organisch-biologischen Land- und Gartenbaues Aus Feld und Stall Ein großes Problem war dieses Jahr die mechanische Unkrautbekämpfung, und das ganz besonders im Wintergetreide. Im organisch-biologischen Landbau spricht man von verschiedenen Unkrautbekämpfungsmöglichkeiten. Es handelt sich also um mehrere Möglichkeiten, weil keine Unkrautbekämpfung im biologischen Landbau hundertprozentig erfolgreich ist. Viele Maßnahmen sind nur vorbeugend - aber trotzdem wichtige Faktoren in der biologischen Unkrautbekämpfung. Zum Beispiel: Richtige Fruchtfolge, - Unkrautkur vor der Saat im Herbst, frühere und etwas dickere Saat, schafft gute, erfolgversprechende Voraussetzungen für die mechanische, frühe Bekämpfung im Frühjahr. Wer das alles eingehalten hat, konnte z. B. auch dieses Jahr sein Wintergetreide wieder einmal mehr bereits im März hacken und striegeln. Wer seinen Weizen im März noch zu schwach hatte zum Striegeln, konnte dies später infolge nassen, schlechten Wetters überhaupt nicht mehr. Was man mit dem großen Unkraut im Wintergetreide machen soll, ist von Fall zu Fall zu entscheiden. Eventuell doch noch striegeln, z. B. bei Kleberverunkrautung angezeigt. Dichte Bestände mit starkem Hohlzahnbesatz «schröpfen» - oben abschneiden - oder in vielen Fällen gibt's nichts mehr anderes als von Hand arbeiten. Ein kleines Beispiel zur umstrittenen Frage der Mineralstoffbeifütterung «Sense» ist eine zwölfjährige Kuh, die immer im April zum Abkalben kommt. Es ist die einzige Kuh in unserem Stall, die Jahr für Jahr nach dem Abkalben einige Tage, ja bis zu einer Woche am Boden liegen bleibt. Ja, ich sah den Moment kommen, da sie einmal nicht mehr aufstehen wird. Der Tierarzt machte in solchen Fällen Calcium- und Magnesiumeinläufe direkt ins Blut. Es handelt sich bei dieser Krankheit um Calcium- und Magnesiummangel. Diesen Mangel versuchte ich bei dieser Kuh durch Beifütterung entsprechender Mineralstoffe während ein bis zwei Monaten vor dem Abkalben zu beheben. Da «Sense» eine sehr gute Milchkuh ist, versuchte ich in dieser Hinsicht verschiedenes; mit dem Erfolg, daß sie trotzdem immer wieder liegen blieb.
Nun hörte ich, daß, wenn man den Tieren die Mineralstoffe direkt gibt und zu «gut» gefüttert wird - übertriebene Kraftfuttergaben usw. - die eigene Fähigkeit der Tiere, Mineralien und Spurenelemente usw. aus dem Grundfutter zu lösen, verloren geht. Wenn dann nach dem Abkalben große Mengen Kalk und Magnesium benötigt werden, gibt's trotz der guten Versorgung vor dem Abkalben einen Fehlbetrag, weil ein Vorrat an Mineralien, im speziellen an Kalk und Magnesium, nicht möglich ist. Das Tier selber ist nicht mehr in der Lage, in dieser gestörten Situation genügend Mineralien und Spurenelemente zu beschaffen. Dieses Jahr nun bekam die Kuh nur gewöhnliches, freilich biologisch gezogenes Grundfutter und sonst nichts, keinen Zusatz - und siehe da, unsere Problemkuh ist dieses Frühjahr im 12. Lebensjahr in allerbestem Zustand. Nicht die geringsten Anzeichen zum Festliegen zeigten sich.
Wenn bei der Düngung Kunstdünger eingesetzt wird, wird das Auswahlvermögen der Pflanzenwurzel auch ausgeschaltet und die Pflanze leidet ebenso an Fehlernährung und mehr und mehr an Mangelkrankheiten. Bei der Beifütterung von Mineralstoffen an die Tiere ist die Wirkung anscheinend die gleiche. Je mehr man gibt, umso mehr treten neue Mängel auf, sowohl bei der Pflanze wie beim Vieh. Das beste und billigste Mittel ist in beiden Fällen: zurück zur Natur.
Für uns biologisch wirtschaftende Bauern gibt es nur eine Möglichkeit, wenn wir die Gesundheit von Pflanze und Tier verbessern wollen, den Boden besser, lebendiger und fruchtbarer zu machen.
Wir kennen diese große Möglichkeit. In den meisten Fällen fehlt es nicht am Wissen, sondern am Ausführen. Wer aber die große Idee im organisch-biologischen Landbau erfaßt und ihre Nützlichkeit und Dringlichkeit einsieht, der wird auch im schlimmsten Frühjahr nicht zur Giftspritze greifen, um mit dem Unkraut fertig zu werden. Nur zu gut weiß er, daß das für ihn einen großen Schritt rückwärts bedeuten würde. Fritz Dähler