Bio-Forellenzucht
Betriebsbesichtigung Bio-Forellenzucht Nikola Patzel. An einem warmen 2. Juni trafen sich Bioforum-Mitglieder im Aargaubei der Bio-Forellenzucht Flückiger. Ich lief vom S-Bahn-Halt Schöftland eine Stunde lang her: Vorbei an einem <Grillhähnchenfest> mit Country-Musik, einem Pferdedressur-Event mit vielen schicken Geländewagen mit Picknick-Garnitur beim Reiterhof - und vorbei an langen Feldern mit Ernteresten vom Mais des Vorjahres, wo auf tausend Schritte trotz genauem Hinschauen nicht ein einziges Regenwurmhäufchen zu sehen war. Aber der Bachlauf beim späteren Wegteil war schön und dicht gesäumt von Bachrainen. Ein kleiner Zufluss dieses Baches am Ortsrand von Uerkheim war das Ziel.
Die Geschichte Susanne Flückiger, die Chefin, begrüsst alle herzlich: «Willkommen im Paradies!» Sie ist ihrem kleinen Seitentälchen zwischen Wald und Dorf eng verbunden. Ihr Schwiegervater hatte tiefe Gruben aus dem Lehm ausgehoben und zehn naturnahe Fischweiher gestaltet, die nun seit 1964 bestehen. Seit anfangs der 1980er Jahre führte sein Sohn, Susanne Flückigers Mann, die Forellenzucht fort, bis er im September 2012 starb. «Mein Mann hat oft fast vor den Fischen gespürt, wenn mit ihnen etwas nicht stimmte.» Seither führt Susanne Flückiger beider MänDiese Geschichten haben alle gerne gehört.
26 > Kultur und Politik 3>i8 Susanne Flückiger füttert Forellenbrütlinge.
ner Erbe weiter, nun zusammen mit einem Mitarbeiter und vielenHelfern. 10 Jahre lang hatte sie das Handwerk von ihrem Mann gelernt. Im Jahr 2003 hatten sie bereits auf zertifiziert biologische Haltung umgestellt. An den eigentlichen Haltungsbedingungen hat sich dadurch nichts geändert, nichts musste umgebaut werden, nur das Biofutter und die grössere Bürokratie waren neu.
Fotos 2-4: Nikola Patzel Fischkunde Susanne Flückiger erzählt: «Meine Forellen haben ein schönes Leben, bis sie
Worauf es bei der Fischzucht ankommt Die Besucher bekommen zuerst ganz kleine, vor zwei Monaten geschlüpfte Fische gezeigt, die jetzt im frischesten Quellwasser leben. In jedem Becken werden die Fische nach der Grösse sortiert und entsprechend ins nächste Becken gebracht. Das ist auch deswegen wichtig, damit nicht die kleinen von den grösseren Forellen gefressen werden. Die Fischteiche werden von drei auf dem Grundstück befindlichen Quellen sowie aus einem Waldbächlein gespiesen. Die Silberfolien über den Teichen reflektieren 80% des Lichts. Das Wasser hat jetzt 14- 15°C, im obersten Becken sind es 12°, die Luft hat 26°C. Steigt die Wassertemperatur über 16°, füttert man nicht mehr. Die Forellen brauchen die sehr hohen CL-Gehalte kalten Wassers, um für sich genug Sauerstoff zu gewinnen, und Futterverwertung verbraucht logischerweise Sauerstoff. Bis 21° Wassertemperatur können die Fische überleben. Die Forellen zum Verkauf wachsen etwa anderthalb Jahre heran, bevor sie aus dem Wasser geholt werden. Die Zuchtfische hingegen leben 2-9 Jahre. Die Naturweiher im tonigen Unterboden des kleinen geneigten Talgrundes sind nur oben mit Holz ausgebaut. Etwa alle 18 Monate werden die Teichböden von Ablagerungen gereinigt: das ist vor allem eingeschwemmter Sand und Ausscheidungen der Fische. Als mikrobieller Zusatz werden «Effektive Mikroorganismen» in die Becken eingebracht: Das ist ein Gemisch v.a. aus Milchsäureund Photosynthese-Bakterien sowie Hefen. Der Zusatz von EM würde den Abbau des organischen Schlamms am Teichgrund und die Vitalität derTiere verbessern, hat Frau Flückiger beobachtet. Sie handelt auch mit EM. Der aus den Becken heraus¬ Naturweiher im unteren Teil.
Jungforellen im Alter von 2 Monaten.
geholte sandige Schlamm wird als ein guter Dünger für Gemüsebeete verwendet. Die tiefe Besatzdichte von 8-10 kg Fisch pro Kubikmeter Wasser bei Flückigers ist viel kleiner als bei anderen - Bio-Betriebe dürfen bis höchstens 20 kg Fisch/m3haben, bei konventionellen Forellenzuchten sind 70-80 kg Fisch/m3 erlaubt - und gestattet so eine chemiefreie Haltung. Dichtestress der Fische bringt einen Teufelskreis von Krankheiten und Medikamenten mit sich, weswegen z.B. Zuchtlachse eines der ungesündesten weil belastetsten Lebensmittel überhaupt sind.
Ihre Ernährung Weil die Forelle ein Raubfisch ist, braucht sie Fischmehl zu fressen. Genauer gesagt sind es kleine Presslinge, die aus Überresten der Speisefischverarbeitung durchmischt mit pflanzlichem Eiweiss aus Bioproduktion hergestellt werden. Das früher für Fische verwendete Blutmehl ist schon lange verboten, aber die Diskussion darüber dauert bis heute an. Heute werden hier in Uerkheim etwa 700-800 Gramm Futter pro kg Schlachtfleisch gegeben, früher war das Verhältnis hier noch 1:1. In den grossen konventionellen Anlagenist die Fütterungseffizienz geringer: bei ca. 1,5:1. Zusätzlich zum gegebenen Futter fressen die Forellen natürlich die Kleinlebewesen, die von sich aus im Wasser wachsen. Weil im Forellenteich das Wasser nicht wie im Bachlauf fliesst und hierzugleich mehr Tiere atmen müssen, braucht das Teichwas¬ ser einen Sauerstoffeintrag durch Belüftungspumpen. Reinen Sauerstoff statt normaler Luft zu verwenden, würde nur etwa 20% der zurzeit recht hohen Stromleistung kosten, aber das wird von Bio Suisse nur bei den Jungfischen erlaubt oder in Wärmekrisen mit Meldepflicht.
Karpfen, Vögel und Vermarktung Den besten weil schattigsten Teich haben aber nicht die