Biofarm (1995-1)
GENOSSENSCHAFT KLEINDIETWIL Fleischproduzenten-Tagung Am 13. Dezember 1994 führten wir die jährliche Schlachtviehtagung für unsere Fleischproduzenten durch. Kursort war der Schlachthof Bern. Ziel der Veranstaltung war das Taxieren von Schlachttieren nach «CH-TAX». Dank der vom Schlachthof Bern zur Verfügung gestellten Infrastruktur konnten wir 12 ausgesuchte Tiere (Rinder, Stiere, Jungkühe, Kühe) taxieren. Nach dem Mittagessen wurden die gleichen Tiere tot «am Haken» beurteilt. Die Taxierungsübungen standen unter der Leitung von Herrn Pfister, GSF Experte Schlachtviehbeurteilung. Er erklärte die Grundsätze der «CH-TAX» und zeigte an den Tieren, wie mit den einzelnen Beurteilungsgriffen die Tiere eingeschätzt werden. Der Vergleich mit den Resultaten der geschlachteten Tiere zeigte eine gute Übereinstimmung der Ergebnisse bei der Fleischigkeit. Es wurde auch klar, dass der Ausmastgrad (Fettgewebe) am lebenden Tier schwieriger - es braucht sehr viel Übung - zu beurteilen ist. Die Teilnehmer konnten sich überzeugen, dass die «CH-TAX» ein taugliches realistisch Mittel ist, um Schlachttiere zu beurteilen. Bedingung dafür ist ein regelmässi¬ Die Taxierung nach «CH-TAX» erlaubt eine objektive Beurteilung der Schlachttiere. Um die Tiere realistisch einzuschätzen, ist die Anwendung von gleichen Bewertungsmassstäben, wie sie an der Tagung geübt wurden, wichtig.
ges Üben, um die eigenen Bewertungsmassstäbe immer wieder zu eichen. Die Tagung war für die Teilnehmer sehr lehrreich. Für uns als BIOFARM ist es sehr wichtig, dass der Bauer die Tiere auf seinem Hof realistisch einschätzen kann, damit das Kaufgespräch am Telefon auf einer soliden Basis steht und bei der Endabrechnung keine Enttäuschungen entstehen. Es war schade, dass nur 16 Bauern an dieser lehrreichen Tagung teilnehmen konnten. Die Diskussionsrunde über die BIOFARM Fleischvermarktung zeigte, dass bei den Bauern verschiedene Fragen bestehen, die in Zukunft einer Klärung bedürfen:
- Wie ist das Standardtier, als Basis für die «CH-TAX» definiert? - Wie kann die Schlachtkörperqualität (Fleischigkeit, Ausmastgrad) unter den Bedingungen des biologischen Landbaus optimiert werden? - Wer beurteilt die Schlachttiere bei der BIOFARM? Wäre es nicht notwendig, einen neutralen Experten für die Taxierung zuzuziehen, um die Vertrauensbasis zwischen Bauern und der BIOFARM zu stärken?
Es war interessant festzustellen, dass die Beurteilung der lebenden Tiere mit jener der toten Tiere hauptsächlich bei der Fleischigkeitsklasse sehr gut übereinstimmte. Unterschiede zeigten sich bei der Klassierung der Fettgewebeklasse.
Wir nehmen die Kritik und die Verbesserungsvorschläge der Bauern ernst. Als Produzentenvermarktungsorganisation für Fleisch sind wir seit Beginn dieser Tätigkeiten überzeugt, dass wir die Interessen der Bauern vertreten. Wir sind auf eine solide Vertrauensbasis zwischen uns und den Bauern angewiesen. Immerhin haben wir 1994 über Fr. 50'000.- an Bioprämie für Schlachttiere an Bauern ausbezahlt. Auch bei der Biovermarktung muss die Qualität stimmen. Aus leerfleischigen Tieren können, dank der Biovermarktung, nicht plötzlich T- und H-Tiere entsehen. Wir haben nun während eines Jahres Erfahrungen mit der «CH-TAX» machen können. Die Auswertung der Taxierungen der übernommenen Tiere wird uns wertvolle Anhaltspunkte geben, wo Verbesserungen nötig sind, um eine optimale Qualität der Schlachttiere unter Bedingungen der Biorichtlinien zu erzielen. Text: N. Steiner, Foto: H. Beugger