Biofarm (1999-5)
GENOSSENSCHAFT KLEINDIETWIL Anbauempfehlungen Getreide Herbst 99 Noch bevor die Getreideernte richtig abgeschlossen ist, gilt es die letzten Vorbereitungen und Planungsentscheide für die neuen Ansaaten zu treffen. Dazu gibt die BIOFARM für bisherige und neue Produzenten gerne einige aktuelle Hinweise.
Ein kurzer Blick zurück Das vergangene Getreidejahr stand unter einem denkbar schlechten Stern: Die schwierigen Anbau- und Witterungsbedingungen wirken sich nun in einer rund 30% kleineren Erntemenge aus. Dies ist ein lange nicht mehr erlebter Einbruch. Es trifft die Produzenten hart und hat auch für die BIOFARM ganz unerfreuliche Auswirkungen. Wenigstens ist die Qualität der Körner, von Ausnahmen abgesehen, einigermassen zufriedenstellend.
Hinweise für Vollknospenbetriebe • Die BIOFARM kann alle Getreidearten zu guten Bedingungen übernehmen, wenn rechtzeitig (normalerweise bis Ende Jahr) der Anbauvertrag abgeschlossen ist. • Ganzbesonders gesucht sind zusätzliche Flächen an Weizen und Dinkel. • Beim Weizen immer Klasse I. Die Auswahl ist mit Arina, Tamaro, Runal, Titlis, Eiger, Lona,Greina und Pizol beträcht¬ lich. Ausnahmen nur in Absprache mit BIOFARM. • Beim Dinkel sind die echten nur Dinkelsorten Oberkulmer und Ostro gefragt. Eine Preiserhöhung auf Fr. 120.- (Gesamtpreis) können wir bereits ankünden. • Beim Roggen kommen grundsätzlich alle aktuellen Sorten in Frage. Von der Saatgut-Verfügbarkeit und vom Bio-Nachhaltigkeitsziel her stehen aber Danko, Elect und Octavian im Vordergrund.
• Gerste: Für Speisegerste sind nur noch 2- zeilige Sorten möglich (Baretta, Blanche usw., Sommergerste). Das HI-Gewicht muss mindestens 64 kg erreichen. • Körnermais: Sortenwahl frei, muss aber bis Ernte 35% TS erreichen. Also zur Sorte mit guterJugendentwicklung und nicht zu später Reife wählen. • Hafen Für Speiseflocken muss der Hafer mindestens 54 kg/Hl erreichen. Daher ist Ebene (Schwarzhafer) oder eine Winterhafersorte am besten geeignet. Hafer ist aber weniger gefragt als alle andern Getreide und daher im Preis deutlich schlechter gestellt.
Wenn die erforderliche Qualität nicht erreicht wird oder wenn die Mengen den Bedarf kann das Getreide übersteigen, zu Futterzwecken übernommen werden.
• Raps und Soja: Als Voraussetzung muss der Produzent ein Kontingent bei den kant. Bauernverbänden einholen. Zudem muss pro Region eine Mindestmenge von ca. 10 Tonnen zuammenkommen. Daher ist hier eine frühzeitige Planung zusammen mit BIOFARM besonders wichtig.
Hinweise für Umstellbetriebe • Als Speisegetreide kann nur Weizen ga¬ rantiert übernommen werden. BIOFARM empfiehlt deshalb dringend, in den Umstelljahren Weizen (I) oder Futtergetreide anzubauen. Die Bestrebungen von BIOFARM, neue Vermarktungskanäle für Umstellroggen und Umstelldinkel aufzubauen, gehen jedoch weiter.
• Als Futtergetreide für den Biofutter¬ markt sind Triticale, Gerste, Erbsen und Mais am besten gefragt. Im Vertragsanbau mit der BIOFARM wird für alle Futtergetreide der Absatz gesichert sein, auch für Umstellbetriebe. Ebenso ist allen Vertragsproduzenten von Brotgetreide die Übernahme von allfälligen Auswuchs-Posten garantiert.
Vorschriften Bio-Saatgut Die Richtlinien Knospe BIO SUISSE verlangen, dass Biosaatgut verwendet wird. Verlangen Sie von Ihrem Lieferanten auf jeden Fall Bio-Saatgut. Der Handel ist über die Verfügbarkeit informiert. Wenn kein Biosaatgut verfügbar ist, muss dies durch den Lieferanten mit einem Vermerk auf der Rechnung oder mit einer sep. Bestätigung dokumentiert werden. Grundsätzlich besteht Wahlfreiheit bei der Sorte. Achtung:
Bei Weizen Klasse I sind die Sorten Arina, Titlis, Runal, Tamaro als gleichwertig taxiert. Das heisst, wenn von einer Sorte kein Biosaatgut mehr verfügbar ist, muss eine andere Sorte in Bioqualität eingesetzt werden. Biosaatgut kommt in diesem Fall vor der freien Sortenwahl.
Rückbehalte der Branchenorganisation Getreide und Ölsaaten Trotz Intervention von BIOFARM und BIO SUISSE wurde allen Produzenten Fr. -.50 pro dt Brotgetreide sowohl bei der GetreideAbgabe 1998 und 1999 abgezogen. Angeb¬ lich soll es nicht möglich gewesen sein, die Computer-Software in den Sammelstellen anzupassen. BIOFARM findet die mögliche Rückforderung durch den einzelnen Produzenten unzumutbar und wird darum zu Händen der BIO SUISSE GV 1999 den Antrag stellen, diese Beträge pauschal von der Branchenorganisation zurückzufordern und für PR Aktivitäten für Schweizer Biogetreide einzusetzen. Immerhin sind es pro Jahr rund 35 000 Franken.
Die BOFARM wird auch im Milleniumjahr 2000 für die Biogetreideproduzenten da sein, um ihre Erzeugnisse gut zu vermarkten und ihnen auch längerfristig einen interessanten Bio-Getreidemarkt offenzuhalten. Je mehr Produzenten ihr Getreide über die Bio-Genossenschaft vermarkten, desto mehr Gewicht behält ihre Organisation am Markt und in der Biogetreidepolitik. Liberalisierung und Importdruck werden ein Zusammenstehen der Bioproduzenten noch wichtiger machen.
Genauere Informationen erteilen die Getreideverantwortlichen der BIOFARM, Nikiaus Steiner (062 957 80 52) und Hans-Ruedi Schmutz (032 392 42 44) gerne.
Hinweise zur Obstvermarktung Herbst 1999 Grundsätzlich ist die Arbeit der BIOFARM auf langfristige, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Produzenten, aber auch mit den Abnehmern angelegt. Dies wird mit entsprechenden Zusammenarbeitsverträgen •dokumentiert. Stabilität und gezielte des Biomarktes sind als Weiterentwicklung uns Produzenten-Genossenschaft besonders wichtig.
In diesem schwachen Obst-Herbst stehen deshalb für die BIOFARM folgende Ziele im Vordergrund:
• Alles verfügbare Obst von den bisheri¬ gen und evtl. von neuen Produzenten zu erhalten und optimal einzusetzen: • Das BIOFARM-Sortiment an verarbei¬ tetem Obst lückenlos durchziehen zu können. • Die guten Kunden im Tafel- und Verarbeitungsbereich möglichst zufriedenstellend zu bedienen, damit sie im Hinblick auf das kommende Jahr mit ihren Produkten am Markt bleiben können. • Aus den durchzogenen Ernteaussichten (Schorf, Hagel, schlechter Behang) für die Produzenten noch das Beste herauszuholen. Das heisst, die angemessenen Qualitätsgrenzen zu ziehen und die richtigen Entscheide zu fällen zwischen Tafel-, Industrie- und Mostobst. Im letztjährigen Rekord-Bioobstjahr wurden oftmals übertriebene Anforderungen an die äussere Qualität gestellt. Dieses Jahr müsste wieder vernünftig sortiert werden können, gemäss der Devise für Biofrüchte: «Vorzügliche innere Qualität, appetitliche äussere Erscheinung.» Die Qualitätsnormen für Bio-Knospenobst, erarbeitet unter Mithilfe der Biofarm-Fachleute, weisen hier den richtigen Weg. Sie sind zu beziehen bei der Bio-Suisse in Basel.
• Obst von Umstellbetrieben muss in er¬ ster Linie als Tafel- oder Mostobst vermarktet werden. Als Industrieobst fehlt der Absatz weitgehend.
Wenn irgendwo noch Kernobst Bio-Suisse in lohnender Menge verfügbar ist, so gibt die BIOFARM Auskunft über gerne genauere Verwendungsmöglichkeit und Abwicklung der Übernahme (H.R. Schmutz, Tel. direkt 032392 4244).