Das "feu sacré" muss bleiben
sorbiert worden und der Biolandbau Das «feu sacré» muss bleiben hätte seine Leitfunktion möglicherweise sr. Seit dem I. November 1989 ist der frühere Leiter des Forschungsinstituts für biologischen Landbau beim Schweizerischen Bauernverband SBV tätig. Sein Auftrag lautet: Ökologisierung der Landwirtschaft. Heisst das nun, dass unser bisheriger Mitstreiter auf einen andern Zug aufgesprungen ist? Werner Scheidegger sprach mit Dr. Henri Suter über Aspekte seiner neuen Tätigkeit.
Kultur und Politik: Henri, während fast zehn Jahren bist Du dem F1BL vorgestanden. Du warst in dieser Funktion einer unserer Vordenker. Was hat Dich bewogen, diese «Spitzenposition» im biologischen Landbau zu verlassen? Henri Suter: Das F1BL ist immer grösser geworden. Mit den ab diesem Jahr fliessenden Bundesgeldern (ca. 1,1 Mio Franken) bekommt es nochmals eine neue Dimension. Es werden neue Projekte in Angriff genommen, die von neuen Mitarbeitern betreut werden. Das heisst aber auch, dass der administrative Aufwand für den Leiter sehr stark zunimmt. Ich empfinde es persönlich als eine grössere Herausforderung, mit den Bauern und für die Bauern konkret an der Entwicklung einer ökologischen Landwirtschaft zu arbeiten.
Eine neue Aufgabe anzupacken, motiviert zusätzlich.
K P: Heisst dass Du dem + das, biologischen Landbau «innerlich gekündigt» hast? HS: Nein! Ich bin nach wie vor der Meinung, dass der Biolandbau die beste Ökologisierungsstrategie ist. Das die Zeit der kommenden Gesellschaft?» Die Zeit - das ist nur der erkenn- und messbare Ablauf eines sich ständig wandelnden Geschehens! Der Geist der Zeit und die Richtung seiner Veränderungen aber wird im Geist des einzelnen Menschen geboren! Von solchen einzelnen fliessen die Kräfte in die Zeit undrufen allein jede Umwälzung. selbst die stärkste, hervor. Noch jede grosse Idee wurde im Geist eines einzelnen geboren - nicht in einem übergeordneten «Geist der Gesellschaft»!
Bauer sein in der Gesellschaft von morgen? Er kann heute nur noch als ein Berufsstand innerhalb von ihr bestehen. Und kein Stand besitzt im voraus schon die Garantie des Überlebens - auch der Bauer nicht. Nur der Geist, den er als Idee und schöpferische Vorausschau in die Gesellschaft einzubringen gibt ihm die Chance des vermag, Daseins - auch als Bauer im Morgen Franz Braumann Gesamtergebnis dieser Methode wird vielfach unterschätzt. Es ist besser als die Summe der Einzelleistungen. Aber es ist eine Methode, die eine grosse Bereitschaft auf derStufe der Familie voraussetzt. K + P: Wie lautet Dein Auftrag hier? HS: Mit allen Bauern einen gangbaren Weg zu finden. Die Integrierte Produktion ist eine Methode, die stufenweise weiterführen kann, die das Bewusstsein der Bauern für ökologische Fragen öffnet. IP bietet Techniken an, die auch Skeptiker akzeptieren können; sie ist systemkonform und macht keinen zum Aussenseiter.
Der Biologische Landbau ist eine Methode für Familien mit grosser innerer Bereitschaft. Für viele Bauern ist die Angst vor diesem Schritt zu gross. Wenn wir rasch eine breite ökologisierende Wirkung erreichen wollen, müssen wir mit verschiedenen Methoden arbeiten. K + P: Welches ist die langfristige Strategie Deiner Arbeit? HS: Zunächst geht es darum, Konzepte zu entwickeln und Anforderungen zu definieren, d. h. Richtlinien aufzustellen. Die bis jetzt bestehenden Richtlinien für IP weisen eine grosse Diskrepanz zwischen Ziel und Machbarkeit auf. Die grossen Ziele stossen ausserhalb der Kreise des biologischen Landbaus noch auf wenig Verständnis. Wir müssen deshalb Teilziele formulieren.
K P: Warum wird nicht einfach der biologische Landbau zum Ziel erklärt?
Dorthin ist auch der Weg weitgehend bekannt. HS: Der biologische Landbau ist nicht einholbar. In 20 Jahren wird er (hoffentlich! Red.) ganz woanders stehen als heute. Er wird sich ebenfalls weiterentwickelt haben.
Es wäre denkbar die Biobauern gewesen, dafür zu gewinnen, bei der Umstellung der andern begleitend mitzuwirken. Aber da wäre zuviel Energie ab¬ eingebüsst. K + P: Welches sind Deine nächsten Etappenziele? HS: Wenn alle Bauern bereit sind, einen bestimmten Weg zu gehen, müssen passende Mittel zur Verwirklichung gewählt werden, z. B. höhere Preise, Beiträge zur Abgeltung ökologischer Leistungen usw. Danach muss ein System zur Erfolgskontrolle entwickelt werden. Dabei denke ich weniger an einzelbetriebliche Kontrollen als an regionale Zustandserhebungen. Wie das geschehen soll, ist im Moment noch offen. Ich habe darüber Vorstellungen, und es finden Gespräche mit in Frage kommenden Stellen statt, aber das Ganze ist noch nicht publikationsreif. K + P: Wo rangiert der Biolandbau in diesen Konzepten? HS: Er wird nach wie vor eine Pionierstellung einnehmen und Denkanstösse vermitteln können. Man hört viel mehr auf die Bio-Bauern als diese sich dessen selber bewusst sind!
K + P: Zur Initiative des SBV: Wird sie etwas bewirken oder ist sie eine AlibiÜbung?
HS: 280 000 Unterschriften, die zudem zum grössten Teil aus dem bäuerlichen Lager stammen, sind eine eindrückliche Absichtserklärung. Für die Verbandsleitung war es ein Stück weit ein Test. Dieser ist positiv ausgefallen.
Entscheidend sind nun konkrete Schritte im Sinne der Initiative. An deren Entwurf arbeiten wir natürlich jetzt schon. Die Bauern haben ihre Bereitschaft signalisiert; jetzt kommt die Zeit für die «Macher». K + P: Wie stellt sich der SBV zur NAP-Initiative?
HS: Abwartend. Im übrigen gilt das oben Gesagte. K + P: und zum biologischen Landbau?
HS: Die Leitbildfunktion des Biolandbaus ist anerkannt. Ob der Verband konkret dafür etwas unternehmen kann oder will, erweist sich erst, wenn konkrete Entscheidungen anstehen. K + P: Was kann der biologische Landbau nach Deiner Meinung zur Gesamt-Situation der Landwirtschaft beitragen? HS: Eine so geballte Ladung an Motivation, die Ausstrahlung, die er hat, darf nicht abflachen, im Gegenteil. Es können von ihm neue Impulse ausgehen, z. B. in der Vermarktung, in der Viehzucht oder im Landschaftsschutz.
Die Biobauern werden den richtigen Weg schon finden. Auch wenn sie vielfach gefühlsmässig handeln, hat die Wissenschaft immer im nachhinein die Richtigkeit dieses Gefühls bestätigt, zuletzt sehr eindrücklich im Nationalfondsprojekt Boden!
K + P: Aber kann er sich langfristig als eigenständige Bewegung behaupten? HS: Er muss! Wenn das «feu sacré» bleibt, dann habe ich deswegen keine Sorge!
Flächenbeiträge für biologischen Landbau?
sr. Es geschehen Zeichen und Wunder! Nachdem die Bio-Bauern jahrzehntelang zuerst belächelt und später der Diskriminierung der übrigen Bauern angeklagt wurden, werden ihre Argumente heute von verschiedenen Gruppierungen übernommen und postuliert.
Positiv daran ist die Tatsache, dass die Pioniere des biologischen Landbaus einmal mehr im nachhinein bestätigt bekommen, mit ihrer Handlungsweise richtig gelegen zu haben. Eine Arbeitsgruppe unter Vizedirektor Popp vom Bundesamt für Landwirtschaft hat den Entwurf zu einem Bericht vorgelegt, in dem Vorschläge zur Abgeltung umweltgerechter Produktionsformen gemacht werden. Otto Schmid vom FIBL, Präsident der Aufsichtskommission der VSBLO, hat sich der Aufgabe unterzogen, den Standpunkt der Bio-Bauern in die kurz vor Abschluss stehenden Arbeiten der Kommission einzubringen und wiederum zum vorgelegten Entwurf Stellung zu beziehen. Die Verantwortlichen der VSBLO stellen sich auf den Standpunkt, dass biologischer Anbau wegen der klar definierten Abgrenzung und der systematisch durchgeführten Kontrollen einen weit höheren Ökologisierungsgrad aufweist als z. B. die Integrierte Produktion und demzufolge mit höheren Beiträgen bedacht werden müsste.
Vom Ergebnis der laufenden Verhandlungen lassen wir uns gern überraschen!