Der Garten im Herbst
Das trockene Frühjahr und der darauf folgende nasse, kalte Sommer stellte unsere Gärten auf eine harte Probe. Es zeigte sich, wie weit sie in der Lage waren, diese außergewöhnlichen Witterungsverhältnisse zu verkraften. Hier zeigte es sich, wie wichtig die Boden- und Humuspflege eigentlich ist. Überall da wo das Bodenleben gehegt, gepflegt und geschützt wurde, konnten trotz der außergewöhnlichen Witterungsverhältnisse zum Teil sogar sehr gute Ernten erzielt werden. Die anfänglichen Anwachsschwierigkeiten bei Gurken und Bohnen konnten nach dem Einsetzen wärmeren Wetters wieder aufgeholt werden. Seit Jahren lehrt uns Herr Dr. Müller, der Bauer und Gärtner solle die Fruchtbarkeit nicht kaufen, sondern selber bauen. Frau Dr. Müller lehrte uns, daß die Wurzelmasse Bakterienfutter erster und die Blattmasse zweiter Güte sei. Auf Grund dieser Erkenntnisse haben wir schon im Spätsommer und werden noch im Herbst alle freien Beete und Reihen mit einer Gründüngung bestellen. Auf Beete, die im kommenden Jahr mit Kohlpflanzen bestellt werden, sollen wir möglichst keinen Raps als Gründüngung anbauen. Hier werden wir ein Erbs-Wick-Gemenge mit etwas Hafer ansäen. Obwohl Raps eine große Wurzelmasse hinterläßt, sollen wir ihn wegen der Pflanzenverwandtschaft mit Kohlgewächsen meiden. Durch gleichartige auf größeren Flächen hintereinander angebaute Pflanzen, wie sie die Monokulturen darstellen, müssen wir mit Mindererträgen, Schädlings- und Krankheitsbefall rechnen. Mit Hilfe von Gründüngungspflanzen und Humusferment wird es uns rascher gelingen, möglichst viele Bakterien der Klassen I und II zu entwickeln, wie sie in unseren mikrobiologischen Bodenproben nach Dr. H. P. Rusch nachgewiesen werden. Für den späten Herbst können wir noch Senf, Raps, Winterwicken und Roggen oder Winterweizen anbauen. Diese Pflanzen laufen verhältnismäßig rasch auf und durchwurzeln den Boden noch vor dem Wintereinbruch. Die abgeernteten Beete, auf die wir keine Gründüngung mehr geben können, lockern wir entweder mit dem Kräuel oder der Grabgabel, streuen etwas Hornmehl oder Oscorna oder einen ähnlichen organischen Dünger. Ist der pH-Wert zu hoch, geben wir Patentkali, ist er zu niedrig, dann Thomasmehl zum Ionenausgleich. Dann bedecken wir den Boden mit zerkleinerten Gartenabfällen oder Grasschnitt. Das Ganze überbrausen wir mit der noch restlichen Brennesselgülle und darüber stäuben wir reichlich Urgesteinsmehl, damit der Fäulnis vorgebeugt wird.
Besitzen wir Mist, bedecken wir eben den Garten schleierdünn damit und sparen uns das Hornmehl fürs nächste Jahr.
Waren die Blätter unserer Randen - Rote Rüben, rote Beete oder auch Rohnen genannt - rot wie eine Säufernase und nicht grün, dann stimmt das Säure-Basenverhältnis in unserem Boden nicht. Rote Rüben brauchen einen pH-Wert von 6,3-6,8, um gut gedeihen zu können. Lassen wir unseren Garten gut bedeckt und versorgt in den Winter gehen, dann können wir im kommenden Jahr mit einem zügigen und gesunden Pflanzenwachstum rechnen.
Unsere Johannis- und Stachelbeersträucher haben wir schon im Sommer gleich nach der Ernte mit einem Erbs-Wick-Gemenge versorgt und wer dies versäumt hat, gibt auf die Sträucherrabatten reichlich Mulm und Urgesteinsmehl. Beerensträucher sind Flachwurzler, daher sollen wir nicht zuviel in der Wurzelgegend mit Gartengeräten herumstochern. Wir werden nur den lästigen Erdholler ausjäten und durch reichliche Bodenbedekkungen oder noch besser durch Leguminosengemische langsam zum Verschwinden bringen. Auch die Baumscheiben behandeln wir so. Alle alten, rissigen vierjährigen Triebe und die schwachen Neutriebe schneiden wir bodeneben ab und lassen nur 3-4 von den kräftigsten Neutrieben stehen. Die schönsten Beeren bekommen wir immer auf jungem Holz. Im Spätherbst können wir noch Winterspinat, Nüßlisalat - Feld- oder Vogerlsalat genannt - und Karotten aussäen. In die Erdbeerreihen stecken wir den Knoblauch. Der Milbenbefall wird dadurch bei den Erdbeeren vermindert. Auch Mäuse haben den Knoblauch nicht gerne. Die Sellerieblätter dürfen wir vor der Ernte der Knollen nicht entfernen. Ohne Blätter kein Wachstum der Knollen. Sprossenkohl, Blätter- oder Krauskohl und Lauch können wir über Winter im Garten belassen. Es ist aber angezeigt, diese Gemüsearten mit Fichten- oder Tannenzweigen zu bedecken, wenn es kälter wird. Winterendivien und Zuckerhut ernten wir samt dem Wurzelballen und stellen ihn in Kistchen in den Keller. Damit die Kartoffeln nicht so schnell treiben, geben wir einige Äpfel dazwischen. Die Kellertemperatur soll nicht über 8° C steigen und der Keller eine gewisse Luftfeuchtigkeit aufweisen und gut lüftbar sein. Damit die Äpfel in den meisten unserer trockenen Keller nicht so rasch runzelig werden, geben wir über die Steigen Plastik und stellen Gefäße mit Wasser auf, um eine bessere Luftfeuchtigkeit zu erzielen. Schließlich dürfen wir nicht vergessen, für das Frühjahr Kompost für die Saatbeete vorzubereiten. Martin Ganitzer