Ist Biomilch ein Rohstoff?
nicht nur den Boden, sondern auch die eigene Sprache schützen müsse. Und dass es auch nicht egal sein dürfe, wie der Biolandbau werbetechnisch ins Bild gesetzt wird. Diese Gruppe hat ihre Arbeit aufgenommen. Sie will ein Kompetenzzentrum für Wort und Bild im Landbau werden. Sie will sich monatlich treffen und aktuell gebrauchte Begriffe und Bilder im Umfeld der Landwirtschaft analysieren.
Worte sagen viel über Weltbilder, Werthaltungen und Interessen aus. Wenn Biomilch als Rohstoff bezeichnet wird, dann steckt dahinter eine industrielle Sicht, wonach diese Milch zum Gebrauch wertlos ist. So etwa wie Eisenerz, mit dem niemand seine Suppe löffeln kann. Erst durch die industrielle Verarbeitung entsteht ein wertvolles Produkt. Diese Interessenlage besteht darin, möglichst günstig zur Milch zu kommen und die Wertschöpfung in der Verarbeitungsindustrie zu konzentrieren. Die Arbeit der Bäuerinnen ist dann uninteressant, denn sie sind ja «nur» die Rohstofflieferanten. Mit diesem Zugang ist es dann auch möglich, aus Biomilch UHT-Biomilch zu machen.
Sorgfältiger Gebrauch Es geht also um den eigenen sorgfältigen Umgang mit Sprache und Bildern, aber auch um eine Kritik an deren unpassendem oder verschleierndem Gebrauch. In den nächsten Sitzungen soll das Thema «Boden» unter die Lupe genommen werden. Motivation für diese Arbeit kommt aus der Überzeugung, dass Sprache und innere und äussere Bilder das Denken beeinflussen und unsere Werte prägen. Da diese Zusammenhänge meist im Unbewussten bleiben, kann es passieren, dass wir in Begriffen reden, die unseren Überzeugungen widerspreil kultur und politik Seite 26 chen. Oder dass wir uns nicht trauen, so zu sprechen, wie es uns und dem, was wir kultivieren, entspricht, weil man anders redet!
Krux mit der Koexistenz So wurde am Beispiel des Begriffs «Koexistenz» gezeigt, dass das dem ganzheitlichen Ansatz der Biolandwirtschaft widerspricht. Koexistenz geht von zwei nebeneinander existierenden Systemen aus. Für die Biolandwirtschaft gibt es aber nur eine Natur. Das erste Treffen hat eindeutig gezeigt, dass Sprache und Bilder sowohl das Selbstverständnis als auch die Aussensicht der Landwirtschaft prägen. Dies will man nicht einfach den Werbefachleuten überlassen, sondern selber mitbestimmen. Wendy Peter fragte besorgt: «Was passiert mit unserer Sprache bzw. dem Biolandbau, wenn auch wir in der Biobewegung von Industriemilch reden?» tg/np Wer Interesse an dieser Arbeit hat oder sich der Gruppe sogar anschliessen möchte, meldet sich bei Nikola Patzel in Überlingen am Bodensee, der ab jetzt auch zusammen mit dem FiBL an diesen Fragen arbeitet: nikola@patzel.info oder 0049 (0)7551944 776.
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