Kultur (1999-2)
Was wie pauschal ALtur nennen, ist, näher besehen, milliardenfacher Paseinskampf ohne Schonung der Verlierer, ist oft todbringender Kampf um ALhrungsbeute und Lebensraum. Allerdings wird dabei nur selten mehr getötet als für die tägliche ALhrung und Selbstbehauptung nötig ist. Kein Vergleich jedenfalls mit menschlichen Tötungsorgien, mit industriell organisierten Massenvernichtungen oder mit den ABS-Waffen des totalen Krieges! Sott hat die ALtur, so wie Gr sie schuf und wie sie ist, für zweckgerecht, für gut befunden, und es gibt keinen Grund, diesem Befund zu widersprechen, Tiere, Pflanzen folgen, instinktgeleitet, ihrer Bestimmung, ohne dadurch schuldig zu werden. Möschen hingegen sind, weil relativ frei, mit Sottes Weisung konfrontiert. Deren Härte besteht darin, dass sie nicht zwingt. Mit allen Fasern seines Leibes bleibt freilich auch der Mensch der Alatur verhaftet. Darum sein Wunsch und Versuch oft, ein instinktgeführtes, schuldunfähiges Alaturgeschöpf zu werden, Der Traum von Rousseau, Sauguin, vom edlen Wilden, von Alaturparadiesen: Aloch immer verklärt er den Blick auf sogenannte 'Alaturvölker' und 'Alaturreligionen'. Doch dem zunächst verklärenden Blick folgt stets die Zerstörung des Verklärten, und sei es 'nur' durch den Tourismus.
Die Weisung der Bibel - aber auch diejenige anderer Religionen - heisst die Möschen nicht, sich zu naturalisieren oder zu animalisieren. Sie fordert kein 'Zurück zur Alatur', wohl aber, weil die Alatur Sottes Schöpfung ist, einen schonenden Umgang mit ihr.
Agrikultur, die die Vegetationskraft der Grde zugleich nutzt und bewahrt (denn ohne Bewahrung bald auch keine Alatzung mehr!), ist das Modell jeglicher Kultur, die sich von der Alatur unterscheidet, dabei aber in sie eingebettet bleibt und für sie verantwortlich ist. Auch die sogenannten 'Naturvölker' waren seit jeher Kulturvölker und ihre Religionen Kulturreligionen, deren ökologische Weisheit in mancher -Hinsicht vorbildlich war.
Gin Denken und Handeln, das dem Leitbild des Schalom folgen will, wird heute und morgen mit immer grösserem Alachdruck den Begriff des Schonens (von Menschen, Tieren, Pflanzen, der Schöpfung insgesamt) in den Vordergrund rücken müssen.
Die Devise der 'Schonung alles Lebendigen' (Christian Wagner) scheint auf den ersten Blick harmlos zu sein, Jn Wahrheit ist sie revolutionär, zielt sie doch auf eine fundamentale Wende im bisherigen menschlichen Verhalten, das eine wachsende Rücksichts- und Schonungslosigkeit allem Lebendigen gegenüber an den Tag legt. Das 20. Jahrhundert ist so zum Jahrhundert der Schonungslosigkeit geworden. Cs hat die Mittel, die Forschung und Technik entwickelt, zu einem Generalangriff auf alles Lebendige eingesetzt. Ziel: die totale Verfügbarkeit aller Dinge, aller Lebewesen. Falls das 21. Jahrhundert nicht zu einem Jahrhundert der Schonung werden kann, droht die entfesselte Schonungslosigkeit weiter zu wüten - bis es nichts mehr zu schonen geben wird? Aus: Kurf Marti, Weltleidenschaft Gottes, Radiusverlag Stuttgart