Neuzeitlicher Futterbau
Wir freuen uns, der Lesergemeinde unserer «Vierteljahrsschrift für Kultur und Politik» den Vortrag von Fritz Dähler, den er am Landbaukurs 1973 auf dem Möschberg gehalten hat, zum Studium unterbreiten zu dürfen. Heute vormittag soll vom «Neuzeitlichen Futterbau» am Nachmittag über die «Richtige Nutzung und Pflege von Wiese und Weide» und morgen über «Gesundheit und Leistung im Stall» die Rede sein. Also über drei große Fachgebiete, deren Grundlage aber ein und dasselbe Gebiet, nämlich der «Futterbau und die Viehhaltung» ist. Eines muß auf das andere abgestimmt sein. Das eine ohne das andere zeitigt keinen wirklichen Erfolg. Ist der Futterbau schlecht, ist keine rentable Viehhaltung möglich. Andererseits macht ein schlechter Viehstand den guten Futterbau auch nicht rentabel. Das Tier und nicht der Chemiker ist der oberste Richter über den neuzeitlichen Futterbau. Wenn das Futter nicht gut ist, kommt es, wie Prof. Heußer schon vor zehn Jahren feststellen mußte, «daß die Störungen der Fruchtbarkeit an der Spitze der Abgangsursachen stehen.» Bei ihrem Zustandekommen spielt die Fütterung eine hervorragende Rolle. Es muß doch zu denken geben, daß bei den Tierärzten der Besamungsstation Brugg auf Grund eines großen Vergleichsmaterials schon längst das Schlagwort gilt: «Je moderner die Viehhaltung, desto geringer der Trächtigkeitsprozentsatz.» Die Ursachen der Unfruchtbarkeit lassen sich sehr oft im einzelnen gar nicht ermitteln. Im großen Fachgebiet vom «Futterbau und der Viehhaltung», da ganz bestimmte Zusammenhänge bestehen zwischen Boden, den Wiesen und Weiden, deren Düngung und Pflege, der Futterkonservierung bis zur Fütterung, den Tieren, den züchterischen Problemen usw., gibt es einfach keinen Platz für «Spezialisten». Diese gibt es ja je länger je mehr für alles und jedes. Aber der Erfolg im Stall ist nicht von vielen Spezialisten abhängig, sondern von einem Bauern, der das Ganze, die Zusammenhänge von Boden, Pflanze und Tier erkennt und gewillt ist, noch zu dienen und zu arbeiten und die Tiere mit Liebe zu pflegen. Das wollte ich Ihnen, liebe Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer, als Einleitung über die Probleme des Futterbaues und der Viehhaltung sagen: «das Ganze im Auge behalten!» Daran wollen wir denken, wenn wir uns jetzt gemeinsam über den neuzeitlichen biologischen Futterbau unterhalten. Ich habe mir den Vortrag darüber wie folgt gedacht:
-
Die Bedeutung des Futterbaues ganz allgemein.
-
Wir müssen die Mängel und Krankheiten der Böden beheben, um nicht Tier und Mensch kurieren zu müssen (Prof. Voisin). So, wie es biologisches Vorzugsgemüse gibt, muß es uns auch gelingen, biologisches Vorzugsfutter zu erzeugen. 3. Die Wiese ist die Mutter des Ackers (Prof. Thaer). Dieser Satz weist auf die Bedeutung der Wiese in der Fruchtfolge mit ihrer bodenregenerierenden Wirkung hin. Zum Schluß befassen wir uns dann gründlich mit der Praxis des biologisch-organischen Landbaues, der Düngung mit Jauche und Mist usw., deren Anwendung auf Kunstwiesen, alten Heuwiesen und Weiden.
-
Die Bedeutung des Futterbaues Sie ist viel größer, als man allgemein annimmt. Drei Viertel des schweizerischen End-Rohertrages der Landwirtschaft fließen aus der Viehhaltung und nur ein Viertel aus dem Ackerbau-, Getreide-, Kartoffel-, Gemüse- und Obstbau, Zuckerrüben usw. Und trotzdem wird der Futterbau meistens nur als Stiefkind in der Landwirtschaft gewertet. Auch in der landwirtschaftlichen Fachpresse und an den meisten Schulen werden Platz und Zeit verkehrt verwendet. Drei Viertel für Maschinen und Ackerbau und nur ein Viertel für Futterbau und das Vieh. Woran mag es wohl liegen, daß man die Sache nicht in den richtigen Proportionen sieht? Der bedeutendste Grund dafür ist wohl der, daß vielen jungen Bauern heute die Viehhaltung einfach «nicht liegt». Das Vieh interessiert sie überhaupt nicht. Für sie ist der Ackerbau mit den vielen tollen, ratternden Maschinen viel interessanter. Wenn sie dann einmal selber zahlen müssen, tauschen dann viele das Interesse an den Maschinen mit der Liebe zum Vieh ein. Zudem bin ich der Meinung, daß wir Schweizer mit der Viehhaltung besser in der EWG bestehen können als ohne - unser Milchpreis ist um 8 Prozent, der für die Erzeugnisse des Pflanzenbaus um 30 bis 50 Prozent höher als der EWG-Preis.
-
Ein anderer Grund, warum Herr Dr. Müller hier am Landbaukurs zwei ganze Tage für den Futterbau und die Viehhaltung reserviert - vor allen anderen Fragen - ist sicher der, daß viele meinen, der biologische Landbau sei nur für den Gärtner, den Gemüsepflanzer oder höchstens noch für den Ackerbauer, aber doch nicht für den Viehwirtschafter im Hügelgebiet. Daß das ein Trugschluß ist, werden wir bald sehen. Um Ihnen das Gegenteil zu beweisen, bin ich an den Landbaukurs gekommen.
Alle, die den biologischen Landbau nicht nur vom Hörensagen kennen, wissen etwas über den Kreislauf der lebenden Substanz, daß also ein Zusammenhang zwischen Boden, Pflanze und Tier besteht. Ich kann sogar einen Schritt weitergehen und sagen: so gesund wie der Boden, so gesund sind auch die Pflanzen und die Tiere, die sich von seinen Erzeugnissen ernähren. Darum sagte Prof. Voisin - er war einer der besten Kenner des Futterbaues und als Tierarzt täglich mit allen Fragen der Gesundheit des Viehs konfrontiert: «Wir müssen die Mängel und Krankheiten der Böden beheben, um nicht Tier und Mensch kurieren zu müssen.»
Ich bin sicher, daß Herr Dr. Müller Ihnen schon über diese Zusammenhänge berichtet hat, wenn nicht, wird er es sicher noch tun. Daß jedem Futter, jedem Nahrungsmittel ein ganz bestimmter Gesundheitswert zukommt, und dieser wird auf den verzehrenden Organismus übertragen. Die Pflanze nimmt in einer ganz bestimmten Ordnung Substanzen aus dem fruchtbaren Boden auf. Diesen inneren Wert der Pflanze bezeichnet man als ihren biologischen Wert.
Das Tier-profitiert über die gesunde Pflanze direkt von diesem biologischen Mehrwert, vorausgesetzt natürlich, daß unser Boden besser ist als der der Kunstdüngerbauern. Ich will mich nun nicht weiter über diese wissenschaftlichen Einzelheiten aussprechen, das kann Herr Dr. Müller viel besser als ich. Meine Aufgabe ist es, Ihnen zu zeigen, wie es praktisch möglich ist, biologisch hochwertiges Futter zu erzeugen. Im Gemüse- und Ackerbau kennt man den Begriff der biologischen Vorzugsprodukte. Für Bio-Gemüse wird eine Anbauprämie bezahlt. Im biologischen Futterbau gilt es nun, auch Vorzugsfutter zu produzieren, da uns die Tiere mit besserer Gesundheit und höheren Leistungen auch besser bezahlen. Das erhellt die Bedeutung des biologischen Landbaues auch für den Futterbauer. Ist es nicht so, daß mit der Gesundheit und der Fruchtbarkeit der Tiere die Rendite im Stall steht und fällt? 3. «Die Wiese ist die Mutter des Ackers.» Dieser Satz von Prof. Thaer veranlaßt mich zu einer eingehenden Erklärung: Im Akkerbau kennt man die Fruchtfolge: Fünf Jahre und mehr wird das Grundstück als Acker benutzt, wobei der Boden langsam aber sicher verarmt. Warum? Durch die Bodenbearbeitung, durch fehlende Bodendecke, durch Sonne, Regen und Wind, aber auch durch fehlende oder falsche Ernährung der Bodenorganismen entstehen Schäden. Und in jüngerer Zeit mehr und mehr auch durch Gifte: Herbizide, Insektizide, Fungizide usw., deren Auswirkungen man heute noch gar nicht ermißt. Der Boden ist nach einigen Jahren Ackernutzung mehr oder weniger verarmt, zusammengedrückt, von Krankheiten und Schädlingen verseucht und vergiftet, so daß es höchste Zeit wird, für zwei bis drei Jahre oder auch länger eine Wiese, eine sog. Kunstwiese anzusäen. Durch die Wiese regeneriert, gesundet der Boden allmählich wieder. Denn in einer Wiese findet das Bodenleben zu seiner vollen Entfaltung die denkbar günstigsten Bedingungen: gute Bodenbedeckung, keine Bodenbearbeitung usw. Ist der Boden durch die Wiese soweit wieder regeneriert, so wird der Pflug wieder erneut eingesetzt und es beginnt von vorne. Mich beschäftigt als Acker- und Futterbauer die Frage: Hat das Kunstwiesenfutter einen hohen gesundheitlichen Wert? Wir haben vorhin gesehen, daß das Futter so gesund ist wie der Boden, auf dem es wächst. Nun beantwortet Ihr die Frage selbst. Jedenfalls ist es kein biologisch hochwertiges Vorzugsfutter. In der Berner Kleegraswirtschaft, aber auch in allen anderen Gegenden, die insbesondere Ackerbau betreiben, kommt sämtliches Futter von Kunstwiesen! Das ist sicher auch ein Grund, warum der moderne, rationell und gut geführte Flachlandbetrieb, mit sehr großem Futteranfall, ganz besonders Schwierigkeiten mit der Gesundheit und Fruchtbarkeit seiner Tiere hat. Auch wir daheim hatten bis vor einigen Jahren nur Kunstwiesenfutter. Wir haben aber vor ca. 12 Jahren aus der Fruchtfolge eine Dauerweide ausgeschieden, so daß wir die Kühe halbtags weiden lassen können. Auf der Dauerweide holen sich die Kühe ihr Birchermüesli! Nun zu den praktischen Voraussetzungen, die nötig sind, um biologisches Vorzugsfutter zu erzeugen. 1. muß der Betrieb auf die biologisch-organische Landbauweise umgestellt werden. Kompromisse in dieser grundsätzlichen Frage gibt es nicht. 2. die Düngung. Im Grünland, im Futterbaubetrieb fällt Jauche und Mist an, also hofeigener Dünger. Damit wären wir bei der biologisch richtigen Aufbereitung und Anwendung der Hofdünger angelangt. Ich bin sicher, daß Ihnen Herr Dr. Müller über die wissenschaftlichen Einzelheiten der Kunstdüngerwirtschaft sowie der echten Humuswirtschaft genügend Auskunft erteilen wird. Es ist sehr wichtig, daß Sie sich das richtig vorstellen und erklären können. Ich bin von Haus aus praktischer Bauer und deshalb sehe ich meine Aufgabe darin, Ihnen diese Düngungsprobleme von der Praxis her zu erklären. Wir wollen dem Boden möglichst alles in unverbrauchtem Zustand wieder zurückgeben, denn nur Leben erzeugt Leben. Also wird der Mist nicht gestapelt und in ihm das Leben abgetötet. Im Miststock würden durch Luftabschluß giftige Gase erzeugt, der Stickstoff würde in Amoniak umgewandelt, wodurch zuviel Leben zerstört würde, so wäre der Mist nur noch soviel wert, wie er Mineralien enthält. Für den biologischen Landbau ist das eine zu große Giftquelle und ein viel zu großes Verlustgeschäft. Aus diesem Grunde müssen wir schauen, daß genügend Luft hineinkommt, den Mist deshalb in Walmen lagern und wenn nötig umarbeiten. Damit wollen wir Fäulnis möglichst vermeiden, so daß die lebende Substanz, die Hormone, die Wirkstoffe usw. erhalten bleiben. Den großen Erfolg im biologischen Landbau brachte erst die Flächenkompostierung.
-
ist diese Methode am wenigsten arbeitsaufwendig; 2. ist es die beste Aufbereitung, d. h. unter den denkbar günstigsten Bedingungen und an Ort und Stelle. Der mikrobiologischen Bodenuntersuchung ist diese Erkenntnis zum großen Teil zu verdanken und praktisch hat sich diese Methode bewährt. Wie Dr. Rusch schreibt: «Der Umweg über die Kompostierung (die ja ausschließlich verdaute Stoffe hinterläßt, wenn sie bis zur vollen «Reife» geführt wird) bringt aber sehr große Verluste an Düngeleistung (Vitalenergie) mit siel%. Das Höchstmaß an Umsetzung von Abfall in der Pflanzennahrung wird nur erreicht, wie sie in der Natur vor sich geht. Ein Beispiel : Ein Stallmistkompost bildet im frischen Zustand 6400 Zellen pro Kubikmillimeter, nach vier Wochen 2600, nach 3 Monaten 1160, nach 1 Jahr 700 und nach 3 Jahren 490 Zellen pro Kubikmillimeter. Es gibt deshalb für den biologischen Landbau, wenn er ertragreich sein will, nur zwei Wege:
-
Man bringt fortlaufend die dafür geeigneten organischen Dünger als Bodendecke aus und bildet so eine natürliche «Nährdecke». 2. Man kompostiert die nicht-geeigneten Abfälle nur soweit vor, daß sie als Bodendecke ausgebracht werden können.» Im biologischen Landbau füttern wir die Pflanzen nicht direkt, wie dies der Kunstdüngerbetrieb tut. In unserer Wirtschaftsweise ist Düngung gleich Fütterung des Bodenlebens. Wir wollen mit all unseren Maßnahmen das Bodenleben zur vollen Entfaltung bringen, d. h. durch die Düngung richtig ernähren. Wenn wir die Wiesen «übermisten», bringen wir z. B. noch zusätzlich eine Schutzdecke auf. Dem Bodenleben müssen günstige Voraussetzungen geschaffen werden. Andererseits muß alles unterlassen werden, was ihm schadet. Was schlechte, giftige Jauche schadet, das hat sicher schon jeder Praktiker erfahren. Wir sehen die Regenwürmer massenhaft an die Oberfläche kommen und sterben, aber all die kleinen Lebewesen, Pilze und Bakterien usw., die auch vergiftet werden, die sehen wir nicht. Die Jauche ist im biologischen Landbau nicht verboten. Wenn sie richtig aufbereitet und angewendet wird, ist sie wertvoll. Im Grünland, im Futterbaubetrieb spielt die Jauche je länger je mehr die größere Rolle als Mist. Dies zeigt die Entwicklung der Schwemmentmistung. Wir müssen uns aber stets bewußt sein, daß die Jauche niemals Mist ersetzt und zudem einfach gefährlich ist. Denn es ist gar nicht so leicht, die Jauche wertvoll zu erhalten. Es muß Luft in den Jauchekasten als Voraussetzung einer aeroben Gärung. Also Luft mit einem kleinen Kompressor hineinpumpen, fleißig umrühren, gut mit Wasser verdünnen. Jauchelöcher nicht zubetonieren. Große Jauchegruben sind gefährlicher als die kleinen, denn ein fleißiges Ausbringen und Erneuern trägt wesentlich dazu bei, daß weniger rasch eine Fehlgärung entsteht. Beim Ausbringen der Jauche muß darauf geachtet werden, daß der Boden trocken ist, denn die Jauche darf nicht gerade versickern, sondern auch als Bodendecke dem Boden zugutekommen. Das Urgesteinsmehl wird täglich im Stall gestreut und kommt so in Jauche und Mist. Gesteinsmehle haben die Fähigkeit, Stickstoffdämpfe und Gase zu binden. So entsteht bessere Stalluft. Indirekt wird eine aerobe Gärung begünstigt. Das Jauchen ist eine Kunst für sich, wer das nicht einsieht und entsprechende Sorgfalt walten läßt, schadet mit der Jauche mehr als er nützt. Ich habe folgende Erfahrungen und Beobachtungen inbezug auf das Jauchen gesammelt: 1. Luft muß in die Jauchegrube gebracht werden. Ich brauche einen Mixer. Andere erreichen das Gleiche auf andere Art. 2. Fleißig bringen wir die Jauche aus. Im Sommer jede Woche, im Winter alle zwei Wochen. Viel Wasser in die Grube, dann kann auch viel Kot hineingebracht werden, und gleichwohl gibt es eine ziemlich dicke Jauche. Ein nur gefärbtes Wasser versickert viel zu rasch und die Würmer kommen auf die Oberfläche. 3. Zum Ausbringen der Jauche warte ich stets die günstigste Zeit ab, z. B. über trockenen oder gefrorenen Boden, über den Schnee usw.
-
Ich verwende die Jauche vermehrt im Acker, dort kann man das Versickern verhindern, indem man den Boden oberflächlich aufreißt, die Kapillaren bricht, dann wird es oberflächlich schön krümelig. Die Jauche sollte vermehrt im Acker eingesetzt und der Mist wieder mehr auf die Wiesen und Weiden ausgebracht werden. Beim Uebermisten des Grünlandes gehe man so vor, daß zuerst die älteren Wiesen, die Dauerwiesen und Weiden schleierdünn «überzettet» werden, bevor Neuanlagen - Wiesen im 1 Jahr. Das hat seine guten Gründe. Bei Neuanlagen herrscht der Rotklee vor, der ja selber Stickstoff bindet aus der Luft. Er hat Knöllchenbakterien. Durch Mist oder schlimmer noch durch Jauche werden diese vorübergehend überflüssig gemacht und verschwinden. Später verschwindet auch der Rotklee vorzeitig. Der Mist muß deshalb schleierdünn auf die Wiesen «gezettet» werden, sonst profitieren nur einzelne Grasarten von dem momentanen großen Stickstoffangebot. Es gibt eine Menge Heu und nachher nur spärlich einen 2. und 3. Schnitt. Also merken wir uns gut, daß wir mit allen unseren Bewirtschaftungsmaßnahmen in unseren Böden, in den Wiesen und Weiden für das Bodenleben nur die besten Bedingungen schaffen müssen. Die hofeigenen Dünger, Mist und Jauche müssen dem Boden auf die verlustärmste Art, über die Flächenkompostierung wieder zukommen. Das Bodenleben wird dadurch gefüttert. Die Mineralien und Spurenelemente kommen über das Urgesteinsmehl, das bereits im Mist und in der Jauche ist, in den Boden. Weiden und Grasmatten, auf die viel Jauche ausgebracht wird, erhalten zusätzlich eine Gabe von ca. 200 kg pro ha alle 2 Jahre. Patentkali oder Thomasmehl je nach pH-Wert. Humusferment, das ist ein Bakterienkonzentrat, wertvolle Bodenbakterien, die unseren Böden weitgehend fehlen, wird ausgebracht. Finden diese Bakterien Nahrung - wenn übermistet oder gejaucht worden ist, ist das ja der Fall - so werden und können sie sich selber weitervermehren. Am besten wird es bei einem warmen Regen im Mai/Juni ausgebracht. Seine Wirkung: qualitativ, aber auch mengenmäßig bessere Erträge. Anschließend möchte ich Sie auf die Größe und die Schlagkraft des Lebens im Boden am Beispiel Regenwurm hinweisen. Das zeigt Ihnen die ungeahnten Unterschiede in der Menge im Acker gegenüber dem Leben in der Wiese auf. Zudem ersehen Sie auch wie die Würmer arbeiten und wie groß diese Leistung ist. Man hat beobachtet, daß der Weideboden ungefähr drei- bis viermal so viel Regenwürmer enthält wie der Ackerboden. Bei den Enchyträen ist diese Differenz noch ausgeprägter, denn im Weideboden sind fünf- bis sechsmal soviel Enchyträen vorhanden wie im Ackerboden. Welche ungeahnten Unterschiede bestehen, beleuchtet allein die Tatsache, daß man im mittleren Ackerland je Hektare im Durchschnitt mit 500 kg, beim Grünland jedoch mit 2000 kg Regenwurmgewicht rechnet. Der Regenwurm ist nur ein Teil der vielen Lebewesen (Milben, Asseln, Larven, Tausendfüßler, Bakterien, Pilze usw.), die an der Schaffung eines Gasaustauschnetzes, an der Krümelung, der Nährstoff- und Humusbildung äußerst wirkungsvoll beteiligt sind. Das Gesamtgewicht der von Regenwürmern und Enchyträen abgesetzten Exkremente beträgt jährlich 65 t je ha auf einer Dauerweide; das entspricht ungefähr einer Stallmistgabe, wie wir sie unseren Aeckern in sechs Jahren geben. Das Gewicht der Exkremente der Regenwünner auf einer siebzigjährigen Weide ist zehnmal größer als auf einer neuangelegten Weide im ersten Jahre. Der Boden einer alten Wiese wird viel intensiver bearbeitet als irgendein Ackerboden. Denn der Regenwurm ist wahrhaftig der «Pflug der Natur», der viel wirksamer ist als alle anderen Pflüge. Die Regenwürmer sind nicht nur Pflüger, die ihre Arbeit umsonst leisten, sondern auch bedeutende «Chemiker», die die Mineralelemente des Bodens assimilierbar machen. Wenn man den Kot der Regenwürmer mit der oberen Bodenschicht von 15 cm Dicke vergleicht, sieht man, daß diese Exkremente im Verhältnis zum umgebenden Boden folgende Beschaffenheit haben: das Fünffache an Salpeterstickstoff das Doppelte an austauschfähigem Kalk das Zweieinhalbfache an austauschfähigem Magnesium das Siebenfache an aufnehmbarem Phosphor das Elffache an aufnehmbarem Kali.
Wir werden auch sehen, daß die Regenwürmer ebenso befähigt zu sein scheinen, die Spurenelemente aufnehmbar zu machen. Grundlegende Arbeiten darüber verdanken wir auch Dr. Alois Stöckli. Nun verstehen wir die Zusammenhänge der bodenverbessernden Wirkung der Wiese. Daß Futter von so reichlich und vielfältig gedüngten Weiden einen hohen gesundheitlichen Wert hat, ist verständlich. Das Bodenleben ist viel mannigfaltiger und größer als wir das uns vorzustellen vermögen, darum ist es gut möglich, ja sogar viel besser, ohne Kunstdünger auszukommen. Ich glaube, liebe Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer, Ihnen den Weg gezeigt zu haben, um biologisches Vorzugsfutter zu erzeugen. Der Boden ist das Entscheidende, so gesund und fruchtbar er ist, so wertvoll ist das Gras und ebenso wird die Gesundheit und Leistung im Stall sein.
Hans Dätwyler