Vertragslandwirtschaft
Schweizweite Perspektive Vertragslandwirtschaft Wenn heute von Vertragslandwirtschaft die Rede ist, ist meistens die direkte Zusammenarbeit von Produzenten und Konsumenten gemeint. Beispiele sind die Produzenten-Konsumenten-Genossenschaft in Bern (Hallerladen) oder Projekte wie soliTerre in Genf oder Agrico in Therwil (K+P 2/11), in denen Produkte vom Feld direkt in die Küche wandern und die Abnehmer teilweise sogar selber Hand anlegen. Im Gespräch mit Hansruedi Schmutz und Nikiaus Steiner von der Biofarm Genossenschaft ist Werner Scheidegger einer viel älteren und viel weiter gefassten Definition von Vertragslandwirtschaft nachgegangen.
Seit ihrem Bestehen, d. h. seit 65 resp. 40 Jahren, praktizieren die beiden biobäuerlichen SelbsthilfeOrganisationen AVG Galmiz (heute bioGROUPE) und Biofarm Kleindietwil Vertragslandwirtschaft. Allerdings nicht so, dass die Kundinnen ihr Gemüse oder ihre Getreidekörner direkt auf dem Hof abholen oder von diesem ins Haus geliefert bekommen. Die vertragliche Zusammenarbeit besteht darin, dass die Genossenschaft mit den ihr angeschlossenen Produzenten Anbau- und Abnahmeverträge über Menge und wenn möglich Preis von Produkten abschliesst und auf der andern Seite sich aufgrund ihrer Statuten und Leitbilder verpflichtet, diese in treuhänderischer Funktion für die Erzeuger so gut als möglich zu vermarkten, statt die Preisbildung den unberechenbaren Kräften des sog. freien Marktes zuüberlassen.
Gegengewicht zur Globalisierung «Vertragslandwirtschaft bildet ein Gegengewicht zur Globalisierung und Deregulierung nach Aufhebung der staatlichen Preisbindung für Ackerprodukte wie Kartoffeln, Getreide und Milch», sagt Nikiaus Steiner. «Ohne eine solche Zusammenarbeit könnte eine Reihe von Produkten in der Schweiz mit ihrem hohen Kostenniveau gar nicht mehr angebaut werden. Beispiel Verarbeitungserdbeeren: Aufgrund von Berechnungen der Produktionskosten io > Kultur und Politik 3>n kommen wir auf einen Produzentenpreis von Fr. 6.80/kg. Polen oder die Türkei können in Knospequalität für Fr. 3.00/kg liefern.» nalität. «Aus der Region für die Seeland oder Tösstal. Dieses Es gibt aber gute Gründe, einen vielfältigen Anbau im Land selber zu ermöglichen: kurze Transportwege, Region gleichbedeutend mit Schweiz, vergleichbar. Nicht aber das Klima. Überschaubarkeit, Erhaltung der Kulturvielfalt und -landschaft usw.
Ein anderes Beispiel ist Brotgetreide. Der Preisunterschied zum Importbiogetreide beträgt 30 bis 40 Franken pro 100 Kilogramm. In Zusammenarbeit mit der Bio Suisse betreut Nikiaus Steiner die gesamtschweizerische Koordination für Biogetreide. «Den mit den Produzenten vereinbarten Richtpreis können wir bei den Mühlen nur realisieren, weil die Bio Suisse in ihren Lizenzverträgen für die Vergabe des Knospe-Labels einen verbindlichen Anteil Inlandgetreide vorschreibt. Ohne eine solche vertragliche Regelung wären Richtpreise eine Illusion. Hier sehe ich unsere wichtige Aufgabe und Funktion als bäuerliche Selbsthilfeorganisation, alle Marktteilnehmer an einen Tisch zu bringen und gemeinsam eine von allen getragene Lösung zu finden. Fairtrade somit nicht nur für Bananenoder Kaffeeproduzenten in Südamerika, sondern auch für die Schweizer Bauern. Allerdings ist unsere Position mit einem Inlandanteil von nur rund 25% bei Biobrotgetreide recht komfortabel.»
Neue Definition von «Region» d.h. mit einem Raum mit Ein zentrales Anliegen der meist gleichem Kostenumfeld, an dem sich noch jungen Initiativen zur alle Produzenten beteiligen können, Direktvermarktung ist die Regio- nicht nur solche im Emmental, Region» ist ein beliebter Werbeslogan. Kostenumfeld ist z.B. für Äpfel Für die Biofarm ist die im Wallis oder am Bodensee Die Biofarm Genossenschaft als Bindeglied zwischen Produzent und Konsument In ihren Statuten verpflichtet sich die Genossenschaft zur Förderung des biologischen Landbaus, und sie will mit ihrer Tätigkeit das Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge und die Ehrfurcht vor dem Leben bei Bauern und Konsumenten wachhalten. Sie versteht sich als Bindeglied zwischen Produzent und Konsument. Die Mitgliedschaft steht allen CH-Knospe-Produzenten sowie nichtbäuerlichen Personen offen, und die Mitarbeit im Vorstand von Vertreter/innen auf Handel und Konsumentenschaft ist ausdrücklich erwünscht und durch die Rechtsform der Genossenschaft gewährleistet. Die Genossenschaft fasst das dezentrale Angebot ihrer Mitglieder und weiterer Lieferanten zusammen und verschafft ihnen einen einheitlichen Marktauftritt auf nationaler Ebene. Dazu arbeitet sie mit zielverwandten Organisationen zusammen.
Ihren statutarischen Auftrag setzt sie gemäss ihrem Leitbild auf drei Ebenen um: • auf der methodischen Ebene, indem sie ihre Produzenten beim Anbau berät und ihnen Zugang zur Entwicklung in der einschlägigen Forschung verschafft; • auf der kommerziellen Ebene, indem sie ihre Produkte vermarktet und bei ihren Marktpartnern Verständnis weckt für die spezifischen Anbaubedingungen und das Kostenumfeld in derSchweiz; • auf der ideellen Ebene, indem sie bei Handelspartnern und Endverbrauchern auf die Zusammenhänge von Anbau, Verarbeitung und Konsum hinweist und sich dabei an den Grundsätzen von Fairtrade orientiert. (Vergl. K+P 2/03)
Also ist es nicht sinnvoll, alle Äpfel für die östliche Landeshälfte am Bodensee und flir den westlichen Landesteil im Wallis zu produzieren, weil einzelne Sorten im trockenen Walliser Klima leichter mit den flir den Biolandbau bestehenden Richtlinien anzubauen sind, aber auf der andern Seite auch von der Bevölkerung der anderen Landesteile gekauft werden möchten, gibt Hansruedi Schmutz zu bedenken. Standortgerechte Produktion ist zudem ein zentrales Anliegen des Biolandbaus. Bei Spezialkulturen wie Sonnenblumen oder Lein wiegt dieses Argument noch schwerer. Erst recht fallen solche Überlegungen bei verarbeiteten Produktenins Gewicht. Ausser bei Milch und Fleisch gibt es kaum mehr lokale Verarbeitungsstrukturen. Würde der Begriff Region zu gefasst, eng müssten weite Teile des Landes und vor allem das Berggebiet auf grosse Teile des heute üblichen Warenangebots verzichten. Andersherum würden bei zu enger Definition von Region Produzenten in den Randgebieten ausgeschlossen oder die Verarbeitung von Kleinstmengen würde unbezahlbar.
Gesellschaftsvertrag mit der nichtbäuerlichen Bevölkerung Im Gespräch kommen wir noch auf einen ganz anderen Aspekt Biobäuerinnen und Biobauern beurteilen die Ölleinversuche von Agroscope Art Reckenholz und Biofarm. Der Austausch unter den Bauern dient auch der Suche nach der optimalen Kultwjîihrung.
und Inhalt des Begriffes Vertragslandwirtschaft zu sprechen. Die schweizerische Landwirtschaft mit ihren noch etwa 3% Anteil an der Gesamtbevölkerung ist mit den übrigen 97% einen Gesellschaftsvertrag eingegangen. Dafür, dass die Landwirtschaft den Boden bebaut und dadurch die Landschaft pflegt, einen grossen Teil der Ernährungssicherheit gewährleistet und zur dezentralen Besiedelung beiträgt, sichert ihr der nichtbäuerliche Teil des Volkes einen wesentlichen Teil des Einkommens inForm von Direktzahlungen zu. Die ganze Bevölkerung ist damit in diesen Einkommensausgleich eingebunden, nicht nur die wenigen Gutwilligen, die zufällig Zugang zu einer lokalen Initiative am Stadtrand haben. Dass die Bauernfamilien dafür ökologische Auflagen zu erfüllen haben, ist vor diesem Hintergrund logisch und verständlich. Ein grosser Vorteil aller lokalen Projekte von Direktvermarktung ist der Informationsfluss zwischen Stadt- und Landflau am Marktstand, im Hofladen, bei Direktlieferung einer Gemüsekiste oder ggf. im Gespräch bei gemeinsamer Arbeit und Erfahrung auf dem Gemüsefeld. Für einen Grosshändler wie die Biofarm müssen andere Wege gesucht und gefunden werden: Informationen Foto: Nikiaus Steiner auf der Verpackung, Hauszeitschrift, nis dafür beitragen, dass zu einer Beiträge in guten Beziehung zwischen der Publikumszeitschriften, Kundenbriefe oder bäuerlichen und der nichtbäuerlichen Newsletter via E-Mail (unter Bevölkerung, zwischen www.biofarm.ch zu bestellen). Produktion, Verarbeitung, Handel Diese Zeilen und der Beitrag von und Konsum verschiedene Matthias Wiesmann in dieser Formen der Zusammenarbeit möglich Nummer möchten zum Verständ¬ und nötig sind. • Wir packen es an - machen Sie mit!
Eiweiss aus der Schweiz SWISS green Soja mit Weisskleewürfel ersetzen protein Die Schweiz ist ein Grasland - nutzen wir doch unsere Ressourcen! Ein gutes Argument mehr für Bio Unser Berater für swiss green protein: Alb.Lehmann Andreas Elliker 079792 84 31 BIOFUTTER Tel. 056 201 40 23 / info@biomuehle.ch in eine bessere Zeichnen Sie ABS-Aktien und ermöglichen Sie damit das weitere Wachstum der Alternativen Bank Schweiz (ABS), welche sinnvoll und transparent indie reale Wirtschaft investiert. Mit Ihrer Beteiligung kann die ABS nachhaltige Projekte und Unternehmen zum Beispiel in den Bereichen erneuerbare Energien, soziale Unternehmen oder der biologischen Landwirtschaftfördern. \ ALTERNATIVE Cut gibt es diese Alternative: BANK Telefon062 2061616 oder SCHWEIZ www.abs.ch Kultur und Politik 3>n > 11