Biofarm (1992-3)
Prozent. Diese Entwicklung hat den 20 Jahre - und kein bisschen müde! Vorstand denn auch veranlasst, einer Wer den neun Gründern unserer Genossenschaft am 8. Mai 1972 die Entwicklung vorausgesagt hätte, die im Lauf der Jahre tatsächlich eingetreten ist, wäre von diesen Gründern kaum ernst genommen worden. Zu vage waren unsere Vorstellungen über den einzuschlagenden Weg, Konkret war einzig der Wille, einen Beitrag zu leisten zur Weiterentwicklung und Weiterverbreitung des biologischen Landbaus. Ob dies gelingen würde, war zunächst überhaupt nicht abzusehen. Am guten Willen fehlte es nicht, doch damit allein wird die Welt bekanntlich noch nicht verändert. Zum Gelingen brauchte es zunächst Arbeit und noch einmal Arbeit und ein grosses Mass an Durchstehvermögen. Mit allgemeinem Goodwill aus der Bevölkerung konnte noch nicht ohne weiteres gerechnet werden, und selbst im engsten Freundeskreis wurde unser Unterfangen zum Teil mit Skepsis, zum Teil mit Missbehagen beantwortet. Pioniere der ersten Generation bekunden oft Mühe mit ihren eigenen Söhnen Dass zum Beispiel das erste Abflammgerät anlässlich einer Vorführung in Kerzers in Llammen aufging, dass sich die Verkaufsprognosen eines ausländischen Interessenten als Seifenblase erwiesen und sich bereits die zweite Serie als unverkäuflich erwies, stellte die kleine Unternehmung auf eine harte Probe. Aber das Saatkorn, das auf dem Möschberg ausgestreut worden war, hatte tief genug gewurzelt, um Sturm und Hagel, Hitze und Trockenheit standzuhalten. Die Übernahme der Generalvertretung der Elsässer Getreidemühlen und die Zusammenarbeit mit dem schweizerischen Reformverband brachten uns auf die Linie, die zum Markenzeichen der Biofarm werden sollte: die Vermarktung von Getreide und Getreideprodukten. Guter Absatz zu guten Preisen an eine interessierte Kundschaft ist eine starke Motivation für den Bio-Bauer. Aber Markt allein als Triebfeder würde den biologischen Landbau früher oder später Schiffbruch erleiden lassen. Es braucht den Mut, eigene Wege zu gehen und die Einsicht und die Uberzeugung, an einer Aufgabe teilzuhaben, die wichtiger ist als die kurzfristige Ertrags- und Gewinnmaximierung. Den Bauern ist ein lebenswichtiges Gut anvertraut. Entsprechend hoch ist ihre Verantwortung.
Eine Richtung, eine Linie - Richtlinien Wir arbeiten nach der organisch-biologischen Methode, die ursprünglich von Dr. Müller und Dr. Rusch etabliert worden war. Eine unserer ersten Tätigkeiten war es, den damaligen Erkenntnisund Wissensstand in klare Richtlinien zu fassen und eine effiziente Betriebskontrolle aufzubauen. Beides ist später massgeblich in die Richtlinien der VSBLO eingeflossen. Wir sind uns jedoch bewusst, dass biologischer Landbau seine Glaubwürdigkeit letztlich nicht von Richtlinien und Betriebskontrollen bezieht, sondern von der Leistung jeder einzelnen Bauernfamilie, die sich dafür engagiert. Wenn wir uns trotzdem von Anfang an vehement für Betriebskontrollen und eine gesetzliche Anerkennung eingesetzt haben und weiterhin einsetzen, dann deshalb, weil wir darin eine Möglichkeit sehen, dem Missbrauch des Begriffs «bio» vorzubeugen und reine Geschäftemacher auf Distanz zu halten.
Leider müssen wir heute zur Kenntnis nehmen, dass das einstige Pionierland Schweiz seine Vorreiterrolle an das Ausland abgetreten hat. Während die EG eine entsprechende Verordnung bereits im Juli 1991 in Kraft gesetzt hat, ist «Bern» seit zwölf Jahren am Überlegen, wie und wo allenfalls eine Regelung des biologischen Landbaus unterzubringen wäre. Immerhin, und das sei anerkennend vermerkt, ist der biologische Landbau auch in Bern salonfähig geworden und geniesst in mehreren Kantonen eine gezielte Förderung. Eine explizite Anerkennung durch den Bund dürfte nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.
Geschäftsgang, Betrieb Die Umsatzzunahme ist im Berichtsjahr etwas kleiner ausgefallen als in den beiden Vorjahren. Trotzdem können wir von einer weiterhin erfreulichen Vorwärtsentwicklung sprechen. Die Abschwächung ist vor allem auf die Position Industrieobst und -gemüse zurückzuführen. Bei den Beeren konnten die Verträge mit der MIBA nicht mehr erneuert werden, und die Lieferungen an die Biotta wurden über die AVG abgewickelt. Auf dem Hauptsortiment Getreide / Trockenprodukte / Fertigprodukte / Fleisch beträgt die Zunahme etwa 13 ausserordentlichen Generalversammlung vom 11. November 1991 die Inangriffnahme der zweiten Umbauetappe unseres Lagergebäudes vorzuschlagen. Die Ausführung ist beschlossen worden und für die Monate März bis Juli 1992 vorgesehen. Dieser Ausbau wird uns die Arbeit und den Dienst am Kunden ganz wesentlich erleichtern. Vorgezogen wurden im Berichtsjahr bereits die Erneuerung der Heizung und der Einbau von zwei Büros im ersten Stock. Vorstand Nach 19 Jahren aktiver und engagierter Mitarbeit als Vizepräsident hat Beat Müller sein Mandat zur Verfügung gestellt. Wir verdanken ihm wesentliche Impulse schon seit der Zeit vor der Gründung. Ohne ihn wäre unsere Genossenschaft nicht das geworden, was sie heute ist. Die Generalversammlung hat ihn in Anerkennung seiner Verdienste mit Akklamation zum Ehrenmitglied der Genossenschaft ernannt. Für seine Nachfolge im Vorstand konnte Conrad Seewer, Marketingleiter bei der Firma Galactina AG, Belp, gewonnen werden. Ein Schwerpunkt bildete ferner die Vorbereitung der zweiten Umbauetappe unseres Lagerhauses. Aufbauend auf dem vorhandenen Projekt konnte einer ausserordentlichen Generalversammlung vom 11. November 1991 das bereinigte Ausbauprojekt mit einem Kostenvoranschlag von Fr. 800 000.- vorgelegt werden. Die starke Zunahme bei der Fleischvermarktung führte zum Entschluss, eine neue Stelle für diese Aufgabe zu schaffen. Da eine erste Runde nicht zum Ziel führte, wurde zusammen mit einem externen Berater ein Anforderungsprofil entworfen und die Ausschreibung für anfangs 1992 vorbereitet.
Produkte Die wichtigsten übernommenen Produkte sind:
Brotgetreide 570 t (Vorjahr 418 t) Gerste, Hafer, Mais 253 t (203 t) Gemüse, Kartoffeln, Früchte 52 t (127 t) Schlachtvieh 327 Stk. (246 Stk.)